Landeskammer für
Psychologische Psychotherapeutinnen und -therapeuten und
Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeutinnen und -therapeuten
in Hessen

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Was ist Psychotherapie?

Psychotherapie ist „Behandlung von der Seele“ aus; das heißt, sie ist eine Krankenbehandlung, die an der Seele – dem Verhalten und Erleben – des kranken Menschen ansetzt. Nicht Krankheiten, die therapeutisch behandelt werden, entscheiden, was Psychotherapie ist, sondern der Zugang, der für die Behandlung von Krankheiten gewählt wird. Die Indikation für eine Psychotherapie ist viel umfassender, als häufig angenommen wird. Sie umfasst nicht nur psychische Erkrankungen und Störungen wie beispielsweise Ängste, Zwänge, Phobien, Essstörungen und Depressionen, sondern auch psychiatrische Erkrankungen, wie Psychosen, Demenzen, Süchte, sowie psychosomatische Krankheiten, bei denen körperliche Beschwerden durch psychische Faktoren hervorgerufen und aufrechterhalten werden. Schließlich bedürfen viele chronisch-körperliche Erkrankungen einer psychotherapeutischen (Mit-) Behandlung, weil diese einerseits den Gesundungsprozess von somatischen und psychiatrischen Erkrankungen fördert, und weil andererseits viele dieser Erkrankungen mit schweren seelischen Problemen verbunden sind, denen die Betroffenen, ihre Angehörigen und Nahestehenden ohne fachlich kompetente Hilfe oft hilflos gegenüberstehen. Der gesunde Menschenverstand reicht zur Bewältigung schweren seelischen und körperlichen Leidens nicht aus.

Da psychische Erkrankungen immer den ganzen Menschen in seinem Erleben, Verhalten, seinen sozialen Beziehungen, oft auch in seiner beruflichen Tätigkeit beeinträchtigen, heißt psychotherapeutische Behandlung von Krankheiten meistens, dass nicht nur das Symptom, nicht einmal nur Krankheit im engeren Sinne behandelt wird, sondern dass der ganze kranke, psycho-physische Mensch mit seiner ganzen Geschichte und seiner jeweiligen Lebenswelt behandelt werden muss.

Viele Psychotherapeuten ziehen es vor, von Klienten anstatt von Patienten zu sprechen, weil sie das traditionelle Verhältnis von Therapeut und Patient als zu einseitig verstehen. Dort steht ein aktiver Therapeut einem passiven Patienten gegenüber, an dem etwas gemacht wird. Im Gegensatz dazu sucht und fördert psychotherapeutische Behandlung eine aktive und eigenverantwortliche Mitarbeit des leidenden Menschen. Auf der Grundlage wechselseitigem Respekts und Vertrauens sind Therapeut und Patient eher Partner in einem Behandlungsprozess, wenn auch mit ungleichen Funktionen.
Der Krankheitsbegriff der Psychotherapie ist umfassender als der der am kranken Körper orientierten Medizin. Psychotherapeutisch gesehen, können nicht nur einzelne Menschen, sondern auch Paare, Familien und größere Beziehungsgruppen erkranken, die folglich in Behandlung genommen werden müssen. (So kann z.B. ein Kind Symptomträger einer kranken Familie sein, die in erster Linie Psychotherapie bedarf.)

Behandlung von der Seele aus heißt, dass therapeutische Maßnahmen am Verhalten und Erleben, an der Seele, am Psychischen des kranken Menschen ansetzen. Die Behandlung geschieht im Bereich und mit Hilfe des Seelischen (Verhalten und Erleben). Sie besteht aber nicht in Ratschlägen, Verboten, Tröstungen, Aufklärungen und so weiter, wie es im Alltag üblich ist, sondern sie wirkt systematisch auf den Prozess der Erkrankung und die Krankheitsursachen ein.

Für Laien ist es oft ganz und gar unverständlich und verwirrend, dass es eine große Zahl verschiedener psychotherapeutischer Ansätze und Richtungen gibt. Das liegt daran, dass es nicht einfach ist, sich verbindliche Vorstellung davon zu machen, wie Verhalten und Erleben, das Psychische als Gegenstand und Medium der Psychotherapie, funktionieren. In der Geschichte der Psychologie und besonders der Psychotherapie gibt es verschiedene Menschenbilder und Wissenschaftsauffassungen, die als Ausgangspunkt und als Leitlinien für verschiedene psychotherapeutische Auffassungen dienten. Die Gemeinsamkeiten und Unterschiede zwischen den verschiedenen Schulen zu verstehen oder gar die unterschiedlichen Ansichten zu übersetzen, erfordert eine hohe Sachkenntnis, die das Wissen von Laien übersteigt.

Man kann in den vielfältigen Formen der Psychotherapie einen Reichtum unserer Gesellschaft sehen; totalitäre und fundamentalistische Gesellschaften lassen immer nur ein Menschenbild und eine Wahrheit zu und bekämpfen andere Auffassungen mit allen Mitteln. Aber diese Vielfalt an Angeboten macht es dem leidenden Menschen oft schwer, sich zu orientieren und das für ihn bestmögliche zu finden. Die Entscheidung zu treffen, welche Psychotherapie oder welche Intervention die richtige ist, erfordert ebenfalls fachliche Schulung und ist dem Laien nur schwer möglich. Obwohl alle Psychotherapeuten dazu verpflichtet sind, ihre Patienten über Entscheidungen bezüglich Diagnose und Indikation zu informieren und sie daran teilnehmen zu lassen, ist doch auch hier, wie in allen Bereichen der Heilkunde ein Vertrauen in die fachliche Kompetenz der Therapeuten vonnöten.

Durch die Approbation der beiden neuen Heilberufe, der „Psychologische Psychotherapeuten“ und der „Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeuten“ ist die Gewähr gegeben, dass alle Kammermitglieder fachliche Standards erfüllen, so dass sie Patienten, von denen sie aufgesucht werden, fachgerechte Hilfe anbieten können oder sie gegebenenfalls an andere fachlich qualifizierte Psychotherapeuten überweisen.

Für Psychotherapeuten gelten bestimmte fachliche und ethische Regeln. Sie unterliegen einer strengen Schweigepflicht, sind verpflichtet die Indikationen abzuklären und ihre therapeutische Arbeit mittels Supervision zu reflektieren. Sie sind gehalten, Ansichten und Würde eines jeden Menschen, der sich ihnen anvertraut, zu achten und sie müssen dessen Grenzen und Wertvorstellungen respektieren. Außerdem müssen sie dem „Abstinenzgebot“ folgen, das bedeutet, sie sollen und dürfen keine privaten Beziehungen zum eigenen Nutzen mit ihren Patienten eingehen, weil sonst Fortgang und Erfolg der Therapie behindert wird.

Ansprechpartner für alle Fragen, die Psychotherapie betreffen, finden sich inzwischen nicht nur in den psychotherapeutischen Fach- und Berufsverbänden sondern gerade auch in den Landespsychotherapeutenkammern, die für die Entwicklung und die Einhaltung fachlicher und ethischer Normen zuständig sind.