09.09.2018

„Aktiv das Gespräch mit Menschen in Krisen suchen“

Psychotherapeutenkammer Hessen:  Suizidalität nicht tabuisieren

Zu mehr Sensibilität und Aufmerksamkeit für Menschen in seelischen Krisensituationen hat die Psychotherapeutenkammer Hessen aufgerufen. „In Deutschland sterben mehr Menschen durch Suizid als durch Verkehrsunfälle, Gewalttaten und illegale Drogen. Auch wenn sich Medien aus guten Gründen bei der Berichterstattung über Fälle von Selbsttötung zurückhalten müssen, darf das Problem der Suizidalität nicht tabuisiert werden – im Gegenteil: Es ist enorm wichtig, das Problem nicht zu ignorieren und mit suizidgefährdeten Menschen im eigenen Umfeld über ihre Situation und Gefühle zu sprechen“, erklärte die Präsidentin der Psychotherapeutenkammer Hessen, Dr. Heike Winter, mit Blick auf den Welt-Suizid-Präventionstag (am 10. September).

Hilfreiche Netzwerke in Hessen: „Alles – nur nicht aufgeben“

Mit Blick auf den Welt-Suizid-Präventionstag (am 10. September) verweist die Präsidentin der Kammer auf viele – auch anonyme – Hilfsangebote, die es in Hessen für Menschen in vermeintlich ausweglosen Lebenslagen gibt. Zum Beispiel das Frankfurter Netzwerk Suizidprävention und das Projekt „Anna“ („Alles – nur nicht aufgeben“), das in Darmstadt jungen Menschen in Krisen hilft. Auch die Telefonseelsorge ist jederzeit kostenfrei erreichbar (08 00) 1 11 01 11 oder (08 00) 1 11 02 22 0. Gerade weil es für viele Menschen nicht leicht sei, über eigene Gedanken und Gefühle zu sprechen, sollten möglichst alle Betroffenen wissen, dass es gerade auch in solchen Krisen-Situationen professionelle Unterstützungsangebote bei Beratungsstellen und niedergelassenen Therapeuten (Therapeutensuche in Hessen) gebe. Ratsam sei, diese Hilfen offensiver publik zu machen und aktiv das Gespräch mit Menschen zu suchen, die sich in schwierigen und belastenden Krisen-Situationen befinden: „Angehörige und Freunde können Betroffenen damit zeigen, dass sie ernst genommen und wertgeschätzt werden. So bleiben gefährdete Menschen mit ihren negativen Gefühlen nicht allein.“ Unterstützt durch gut vernetzte Krisenangebote könnte die hohe Zahl der Suizide im Bundesland Hessen nach Überzeugung der Psychotherapeutenkammer deutlich gesenkt werden.

Suizidrisiko verringern: Zuhören und motivieren, sich professionelle Hilfe zu suchen

Alles – nur nicht aufgeben: Oft lässt durch ein offenes Gespräch der innere Druck nach und manchmal eröffnet die Sicht des anderen eine ganz neue Perspektive.

Statistisch gesehen gibt es an jedem Tag in Hessen mindestens zwei Suizide – die Gesamtzahl der Sterbefälle durch eine vorsätzliche Selbstbeschädigung liegt in Hessen bei mehr als 750 pro Jahr (bundesweit bei rund 10.000). Dies bedeute auch, dass viele tausend Menschen jedes Jahr den Verlust eines nahestehenden Menschen durch Suizid erleiden. Mit entsprechender Hilfe und Unterstützung gelinge es suizidgefährdeten Menschen in der Regel, neue Lösungen und Perspektiven zu finden. Angehörige, Freunde oder Kollegen könnten die Probleme meist zwar nicht lösen, aber „das Suizidrisiko verringern, indem sie zuhören und dazu motivieren, sich Hilfe zu suchen“.

Der Welttag der Suizidprävention wurde von der International Association for Suizide Prevention (IASP) und der Weltgesundheitsorganisation WHO ausgerufen. Der 10. September ist auch ein Tag der Trauer und des Gedenkens an die durch Suizid Verstorbenen. Der Tag kann Menschen unabhängig von ihrer religiösen Zugehörigkeit einen Raum bieten, in dem der Erfahrung von Verlust und Trauer Ausdruck gegeben und miteinander geteilt werden. So gab es zum Beispiel am Sonntag (9. 9.) in Frankfurt eine Gedenkzeremonie am Main, um Menschen zu gedenken, die sich das Leben genommen haben (weitere Informationen und Veranstaltungen).                   (rge)

 

Für Betroffene: Gedanken an Suizid? Hier finden Sie Hilfe.

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