Fragen und Antworten zur Corona-Pandemie - Psychotherapeutenkammer Hessen

Fragen und Antworten zur Corona-Pandemie

Fragen zur Arbeit in Kliniken, Beratungsstellen und anderen Institutionen (Redaktion: Karl-Wilhelm Höffler)

Home-Office – Ich gehöre einer Risikogruppe an. Kann ich von meinem Arbeitgeber verlangen, im Home-Office zu arbeiten oder andere spezielle Schutzmaßnahmen einfordern?

Der Arbeitgeber hat eine arbeitsschutzbezogene Fürsorgepflicht gegenüber seinen Arbeitnehmer*innen. Wie das im Detail auszugestalten wäre, sollte im Kontakt mit der Arbeitssicherheitsbeauftragten geklärt werden. Zugleich wäre zu prüfen, ob es eine Betriebsvereinbarung zu Home-Office gibt, z. B. zu der Frage, wie bei Home-Office die Arbeitszeit erfasst wird. Home-Office bei Psychotherapeut*innen sollte so gestaltet werden, dass die Anordnung des Arbeitgebers dazu schriftlich erfolgt und die im Home-Office zu erledigenden Aufgaben definiert werden. In der Anordnung zum Home-Office wäre ggf. auch besondere Regeln des Datenschutzes zu beachten und schriftlich zu formulieren. Auch die Kostenerstattung der Nutzung privater Arbeitsmittel wäre zu beschreiben.

Besuchsregelungen – Welche Spielräume haben Psychotherapeut*innen im Hinblick auf Besuche von wichtigen Angehörigen in stationären Einrichtungen? (insbesondere in der Kinder- und Jugendpsychiatrie/ Psychotherapie)

Besuchsregelungen sind teilweise in der Landesverordnung festgeschrieben. Besuche von Bezugspersonen können ein wichtiger Bestandteil der Psychotherapie sein. Besondere Besuchsregeln von Bezugspersonen im Rahmen des psychotherapeutischen Prozesses sollten mit der Einrichtungsleitung besprochen und von ihr freigegeben werden.

Arbeitsschutz – Welche Regeln des Arbeitsschutzes gelten?

Hinweise dazu gibt die Berufsgenossenschaft BGW (www.bgw-online.de) und die Arbeitsministerium des Bundes BMAS (https://www.bmas.de/DE/Schwerpunkte/Informationen-Corona/Arbeitsschutz/arbeitsschutz.html).

Ergänzend kann die Leitung der Einrichtung Regeln des Arbeitsschutzes noch verschärfen und erweitern.

Hygiene-Maßnahmen des Psychotherapeutischen Dienstes – Welche Hygienemaßnahmen des Psychotherapeutischen Dienstes wären zu ergreifen?

Zunächst greifen die Hygiene-Maßnahmen, die die Einrichtungsleitung angeordnet hat. Ergänzend wären Hygienemaßnahmen denkbar, die vom Psychotherapeutischen Dienst vorgeschlagen werden. Um nur einige Beispiele zu nennen, ohne Anspruch auf Vollständigkeit:

  • Verkleinerung der Gruppen, um einen größeren Abstand der Gruppenteilnehmer*innen zu erreichen, was zur Folge hat, dass mehr Gruppentermine angeboten werden müssen.
  • Intensives Lüften der Räumlichkeiten.
  • Durchführen der Einzelgespräche im Gruppenraum, um mehr Abstand zu den Patient*innen herstellen zu können.
  • Bevorratung von Mund-Nase-Bedeckungen und Hände-Desinfektionsmitteln.
  • Aufstellen einer Glasscheibe zwischen Psychotherapeut*in und Patient*in.
  • Bereitstellen von Hand-Creme am Waschbecken.
  • Nutzung des Telefons bei Gesprächen mit einer in der Einrichtung untergebrachten und positiv getesteten Patient*in. Dabei kann die Patient*in noch die Psychotherapeut*in ohne Schutzausrüstung imaginieren. Alternativ müsste Schutzausrüstung für die Psychotherapeut*innen vorgehalten werden, wenn psychotherapeutische Life-Sitzungen mit einer infizierten Patient*in vorgesehen sind. Schutzbekleidung beinhaltet das Geschult-Werden im Anlegen und Ablegen der Schutzkleidung.
  • Verwiesen sei auch auf eine allgemeine Publikation der KV Nordrhein (https://www.kvno.de/downloads/hygiene/hygieneleitfaden_pp.pdf).

Fachgerechte Psychotherapie – Sollte man derzeit auf die Durchführung von Gruppenpsychotherapien in Klinken verzichten?

Sowohl Psychotherapie im Einzelgespräch wie auch Gruppenpsychotherapie sind medizinisch notwendige Maßnahmen, sofern eine Indikation gestellt wurde. Für beide Formen der Psychotherapie sollten Hygieneregeln festgelegt und verschriftlicht werden.

Fachgerechte Psychotherapie – Wie wäre die psychotherapeutische Beziehung zu den Patient*innen derzeit zu gestalten?

Zwei Überlegungen sind dazu wichtig:

  • Die Pandemie beschäftigt derzeit alle Patient*innen. Das Thema sollte sowohl in psychotherapeutischen Gruppen wie auch in Einzelgesprächen auf der Tagesordnung stehen, dann an ihm kann man viel für das eigene Denken, Fühlen, Wahrnehmen und für eigene Bewältigungsstrategien lernen.
  • Auch infizierte Patient*innen in der Einrichtung werden psychotherapeutisch betreut. Der Psychotherapeutische Dienst ergreift Maßnahmen, um das sicherzustellen.

Ergänzend wird empfohlen, dass der Psychotherapeutische Dienst die von der Einrichtung vorgegebenen allgemeinen Hygienemaßnahmen vertritt und sie den Patient*innen immer wieder erklärt, wenn von deren Seite Unsicherheiten und Unverständnis bestehen.

Fachgerechte Psychotherapie für Kinder und Jugendliche – Die Einrichtungsleitung hat auch für Psychotherapeut*innen einen Mund-Nase-Bedeckung angeordnet. Kann so noch Psychotherapie für Kinder und Jugendliche durchgeführt werden?

Die Beziehungsgestaltung hat in der Psychotherapie mit Kindern und Jugendlichen eine sehr große Relevanz. Das wechselseitige Wahrnehmen der ganzen Person trägt hierzu wesentlich bei. Besonders wichtig ist es, die Mimik gegenseitig sehen zu können, ebenso wie das unmittelbare Kommunizieren „ohne verdeckendes Visier“.  

Die besondere Ausnahmesituation der Pandemie (Psychotherapie mit Mund-Nase-Bedeckung in einigen Einrichtungen) verlangt von den Psychotherapeut*innen, noch einmal mehr Aufmerksamkeit auf die Möglichkeiten der Beziehungsgestaltung zu legen.

Fachgerechte Psychotherapie für Erwachsene – Die Einrichtungsleitung hat auch für Psychotherapeut*innen einen Mund-Nase-Bedeckung angeordnet. Kann so noch Psychotherapie für Erwachsene durchgeführt werden?

Inzwischen gibt es eine nennenswerte Zahl von Kolleg*innen – insbesondere im stationären Bereich, die bei Psychotherapien mit Schutzmasken arbeiten. Die Leitung einer Einrichtung kann aufgrund der hessischen Verordnung weitergehende und strengere Infektionsschutzmaßnahmen anordnen, als es die Verordnung allgemein vorsieht.

Unter diesen einrichtungsbezogen strengeren Infektionsschutzmaßnahmen findet Psychotherapie fachgerecht statt. Die Psychotherapeut*innen sind hochkompetent, in der Pandemie-Notsituation Psychotherapie mit Einsatz von Schutzmasken fachgerecht durchzuführen. Es muss allerdings konstatiert werden, dass diese Bedingungen nicht ideal sind, weil ein wichtiger Info-Kanal (Mimik) nicht zur Verfügung steht und die Mund-Nase-Bedeckung für bestimmte Patient*innen (z.B. nach Operationen) durchaus angstbesetzt sein kann.

Arbeitsbedingungen – Der Arbeitgeber (MVZ) ändert in der Pandemie-bedingten Minderauslastung des MVZ die vergüteten Arbeitszeiten. Ist das zulässig?

In der Situation können unterschiedliche Normen in Beziehung treten und Wirksamkeit entfalten: der Arbeitsvertrag, mündliche Absprachen (zu denen man für die eigenen Unterlagen immer eine Aktennotiz erstellt haben sollte) und üblicherweise gehandhabte Regelungen in dem Unternehmen, allgemeine Regelungen des Arbeitsrechts, allgemeine Regelungen des Vertragsrechts.

Die Psychotherapeutenkammer kann in dieser Situation keine hinreichende rechtliche Bewertung vornehmen.

Allerdings gibt es zwei Stellen, die mit solchen Verträgen in MVZ vertraut sein dürften:

Alle arbeitsrechtlichen Informationen und auch juristische Vertretung können von Gewerkschaften bereitgestellt werden. Allerdings müsste sich eine Arbeitnehmer*in an die Gewerkschaft wenden und dort auch Mitglied sein.
Einige der großen Berufsverbände haben Musterverträge für die Anstellung im MVZ herausgegeben. Dort dürften dann auch verschiedene Varianten, die Verträge zu gestalten, bekannt sein.

Meldepflicht – Welche Meldepflichten bestehen für Psychotherapeut*innen in Kliniken?

Die Meldepflicht ist geregelt. Eine positive Testung einer Arbeitnehmer*in führt zur Arbeitsunfähigkeit. Das Gesundheitsamt erfährt davon. Möchte eine Arbeitnehmer*in im Falle einer eigenen Testung gesundheitliche Risiken für Kolleg*innen und Patient*innen minimieren, sollte er/sie direkt mit dem Gesundheitsamt in Kontakt treten, das dann mögliche Infektionswege nachzuvollziehen sucht.

Meldepflichten innerhalb der Einrichtung, insbesondere von Verdachtsfällen unter den eigenen Patient*innen, sollten von der Einrichtungsleitung in einer Verfahrensanweisung geregelt sein. In allen Zweifelsfragen ist die Einrichtungsleitung Ihr Ansprechpartner.

Vorgaben Arbeitgeber – Darf mein Arbeitgeber Vorgaben für die Art der Ausübung meiner Nebentätigkeit (halber Kassensitz) machen, z. B. Psychotherapie nur mit Video-Kontakt?

Wichtig wäre es zu wissen, was der für Sie gültige Tarifvertrag sagt: Müssen Nebentätigkeiten angezeigt oder genehmigt werden. „Angezeigt“ würde bedeuten, dass der Arbeitgeber nicht hineinreden kann. Die Klinik könnte das Thema auch in einer Betriebsvereinbarung „Nebentätigkeiten“ geregelt haben. Es wäre auch zu klären, wer Sie innerhalb der Klinik unterstützen kann: Wer wären in der Klinik Ihre „Verbündeten“: Betriebsrat? Ver.di? Personalabteilung?

Wenn Sie beide Tätigkeiten längerfristig aufrechterhalten wollen, wäre zu raten, einen „modus vivendi“ mit der Klinikleitung zu suchen, um zu verhindern, dass die Nebentätigkeit untersagt wird, und man gezwungen wäre, sich für die eine oder andere Tätigkeit zu entscheiden.

Auf der Website der Kammer finden Sie viele Informationen darüber, wie digitale Medien in der Praxis genutzt werden könnten.

Vorgaben Arbeitgeber – Kann mein Arbeitgeber mich zwingen, Psychotherapie unter Nutzung einer Mund-Nase-Bedeckung zu machen?

Ja: Die Leitung einer Einrichtung ist berechtigt, Hygieneregeln und Regeln zum Infektionsschutz für die Einrichtung festzulegen, die über die Regeln der Landesverordnung hinausgehen.

Vorgaben Arbeitgeber – Wie werden Hygieneregeln verbindlich gemacht?

Die Klinikleitung sollte in die Pflicht genommen werden, den Hygieneplan im Hinblick auf die Pandemie zu aktualisieren. Dazu gehören auch Vorgaben zur Hygiene während der Psychotherapie. Der Psychotherapeutische Dienst kann auch selbst ein Procedere entwickeln (z. B. veränderte Gruppengrößen, veränderter Abstand zwischen Personen). Wir empfehlen, diese besonderen Regelungen für den Pandemiefall in einer Verfahrensanweisung durch die Einrichtungsleitung freigeben zu lassen.

Hygiene

Entspricht ein Vollgesichtsvisier der „Maskenpflicht“?

Nachdem die Landesregierung zunächst die Verwendung von Gesichtsvisieren als nicht ausreichend angesehen hat, stellt sie nun auf der Website des Sozialministeriums klar, dass Visiere als Mund-Nasen-Bedeckung im Sinne der Verordnungen zur Bekämpfung des Corona-Virus getragen werden dürfen (Stand: 19.05.2020). Dort heißt es:

Als Mund-Nasen-Schutz zählt jeder Schutz vor Mund und Nase, der auf Grund seiner Beschaffenheit unabhängig von einer Kennzeichnung oder zertifizierten Schutzkategorie geeignet ist, eine Ausbreitung von übertragungsfähigen Tröpfchenpartikeln oder Aerosolen durch Husten, Niesen oder Aussprache zu verringern. Neben den so genannten oft selbst genähten Alltagsmasken zählen auch Schals oder Tücher dazu. Es können auch Gesichtsvisiere verwendet werden.

https://soziales.hessen.de/gesundheit/infektionsschutz/corona-hessen/maskenpflicht-faq

Maskenpflicht in der psychotherapeutischen Praxis?

Durch eine Verordnung der hessischen Landesregierung sind seit dem 4. Mai 2020 auch in Praxen von Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten sog. Mund-Nasen-Schutze (auch: Community-Masken) zu tragen. Die grundsätzliche Verpflichtung trifft sowohl die Patienten als auch die Behandler. Ausnahmen gelten z.B. für Kinder unter 6 Jahren oder wenn eine Maske wegen einer Behinderung nicht getragen werden kann. Stand 17. August 2020 wurde die Maskenpflicht bis zum 31. Oktober 2020 verlängert.

Recht

Maskenpflicht in der psychotherapeutischen Praxis?

Durch eine Verordnung der hessischen Landesregierung sind seit dem 4. Mai 2020 auch in Praxen von Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten sog. Mund-Nasen-Schutze (auch: Community-Masken) zu tragen. Die grundsätzliche Verpflichtung trifft sowohl die Patienten als auch die Behandler. Ausnahmen gelten z.B. für Kinder unter 6 Jahren oder wenn eine Maske wegen einer Behinderung nicht getragen werden kann. Stand 17. August 2020 wurde die Maskenpflicht bis zum 31. Oktober 2020 verlängert.

Wie kann ich neue Patient*innen aufnehmen, die nicht in die Praxis kommen können?

Befristet bis zum 30.6.2020 haben KBV und GKV Spitzenverband Sonderregelungen für die Erweiterung der Videosprechstunde auf die Psychotherapeutische Sprechstunde und die Probatorik beschlossen. D.h. es ist möglich die Vorgaben für die Beantragung einer KZT oder LZT zu erfüllen, in dem mindestens eine Psychotherapeutische Sprechstunde und zwei Stunden Probatorik per Videosprechstunde durchgeführt werden und bei Bedarf kann anschließend ein KZT / LZT -Antrag gestellt werden. Die psychotherapeutischen Einzelleistungen dürfen gemäß EBM regelhaft per Videobehandlung durchgeführt werden.

Die Berufsordnung der PTK Hessen steht einem Erstkontakt mittels Video oder Telefon nicht entgegen. §6 Absatz 2 beinhaltet nur, dass die psychotherapeutische Behandlung nicht ausschließ über Telekommunikationsmedien erbracht werden darf.

Hinweise der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV)

https://www.kbv.de/html/1150_45109.php

Sonderregelungen Psychotherapievereinbarungen

https://www.kbv.de/media/sp/2020_03_23_PT_Vereinbarung_Zusatz_Covid_19.pdf

 

Dürfen Gruppentherapien auch nach den strengeren Ausgangs- und Kontaktbeschränkungen vom 23.03.2020 weiterhin stattfinden?

Psychotherapeutische Behandlungen sind nach hiesiger Auffassung sämtlich – unabhängig vom Setting – eine medizinisch notwendige Behandlung, die auch unter Geltung der Ausgangsbeschränkungen angeboten werden dürfen.

Allerdings ist besonders sorgfältig zu prüfen, ob die tatsächlichen Gegebenheiten einen ausreichenden Infektionsschutz ermöglichen (z.B. im Hinblick auf Abstandsregelungen, Desinfektion etc.). Derzeit ist die Abrechnung der Gruppentherapie als Videobehandlung leider noch nicht möglich.

Bitte beachten Sie auch die weiterführenden Informationen der Bundespsychotherapeutenkammer zum Thema Gruppentherapie:

https://www.bptk.de/bptk-praxis-info-coronavirus/

Habe ich als niedergelassener Psychotherapeut einen Anspruch auf Kinderbetreuung während der Pandemie?

Am Donnerstag, 09.4.2020 hat das Krisenkabinett der Landesregierung die „Zweite Verordnung zur Bekämpfung des Corona Virus“ verabschiedet. Darin ist die Liste der Berufsgruppen erweitert, die Anspruch auf eine Kindernotbetreuung haben. Im §2 Satz 10, w) werden nun explizit auch alle Psychologischen Psychotherapeutinnen und- therapeuten und Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeutinnen und – therapeuten aufgeführt. Der Vorstand der PTK Hessen hatte sich gegenüber dem Hessischen Sozialministerium intensiv für eine Klarstellung bezüglich der Zugehörigkeit der Psychotherapeut*innen zur Gruppe der „in der gesundheitlichen Versorgung von Menschen tätigen Angehörigen medizinischer und pflegerischer Berufe“ bemüht, weil es in vielen Einrichtungen zu Problemen hinsichtlich der Anerkennung gekommen war.

Wir begrüßen die Erweiterung und freuen uns für alle Kolleg*innen, die die Kindernotbetreuung dringend benötigen, um die Versorgung ihrer Patient*innen aufrechterhalten zu können.

https://www.hessen.de/sites/default/files/media/lesefassung2.coronavo_2.pdf

 

Fernbehandlung

Meine Patientin hat keinen Computer / kein schnelles Internet. Die Internetverbindung meines Videoanbieters bricht ständig zusammen. Darf ich dann auch per Telefon Therapien durchführen?

Ja, befristet bis zum 19.4. darf das Psychotherapeutische Gespräch (23220) und die Psychotherapeutischen Einzelleistungen auch per Telefon durchgeführt werden. Die PTK Hessen war zu diesem Thema in engem Kontakt mit der KV Hessen. Am Dienstag, 24.4.2020 wurde beschlossen, dass Telefonsprechstunde auf die o.g. ausgeweitet wird.

https://www.kvhessen.de/abrechnung-ebm/telefonsprechstunde/

Dürfen auch PiAs Videosprechstunden durchführen?

Prinzipiell dürfen auch PiAs in Hessen im Rahmen der Praktischen Ausbildung die Videosprechstunden durchführen. Die Videosprechstunde ist eine EBM-Leistung, die in der Psychotherapievereinbarung hinterlegt ist. In Hessen haben alle Ausbildungsinstitute eine Vergütungsvereinbarung mit den Krankenkassen geschlossen die beinhaltet, dass die Leistungen des EBM auch in den Ausbildungsambulanzen und Hochschul- und Lehrambulanzen zur Anwendung kommen. Das bedeutet, dass grundsätzlich auch PiAs im Rahmen der Praktischen Ausbildung die Videobehandlung durchführen dürften. Das wäre inhaltlich vielleicht auch ganz sinnvoll, weil man dadurch bereits in der Ausbildung unter Anleitung und Fachaufsicht lernen kann, wie Videobehandlungen durchgeführt werden. Diese Behandlungen müssen ebenso wie die Präsenztherapien regelmäßig supervidiert werden.

Allerdings entscheidet letztlich jede Ausbildungsambulanz selbst darüber, ob sie die Möglichkeit der Videobehandlung für die PiAs eröffnen will oder kann. Es müssen dafür sehr umfangreiche fachliche, technische und räumliche Voraussetzungen geschaffen werden.

Sonderregelungen Videosprechstunde, Gruppentherapie und Telefonsprechstunde

Am 24.3.2020 haben GKV Spitzenverband und KBV beschlossen, dass befristet bis zum 30.6.2020 nun auch die Psychotherapeutische Sprechstunde und die Probatorik per Videosprechstunde erbracht werden können.

Darüber hinaus können bewilligte Gruppentherapien unbürokratisch in Einzeltherapie umgewandelt werden. ohne dass hierfür eine gesonderte Antragstellung bei der Krankenkasse oder Begutachtung erfolgen muss. Auch diese Regelung gilt bis 30. Juni. Die Umwandlung erfolgt über die „Therapieeinheit“ und muss lediglich formlos der Krankenkasse mitgeteilt werden (kein Formular notwendig). Für je eine Therapieeinheit genehmigte Gruppentherapie (entspricht einer Sitzung mit 100 Minuten) kann bei Bedarf maximal je Patient der Gruppe eine Einzeltherapie (entspricht einer Sitzung mit 50 Minuten) durchgeführt und abgerechnet werden.

Infos der KBV

https://www.kbv.de/html/1150_45109.php

Sonderregelungen zur Psychotherapievereinbarung.

https://www.kbv.de/media/sp/2020_03_23_PT_Vereinbarung_Zusatz_Covid_19.pdf

 

Die KV Hessen hat unabhängig davon am 23.3.2020 veröffentlicht, dass es in Hessen bis zum 19.4.2020 befristet möglich ist, das Psychotherapeutische Gespräch (23220) und die Einzelleistungen per Telefon zu erbringen. Temporär können damit Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten  ihre Patienten im Rahmen einer Telefonsprechstunde versorgen. Die Elektronische Gesundheitskarten (eGK) müssen dafür nicht eingelesen werden, sondern es wird das  Ersatzverfahren angewendet.

Näheres auf der Seite der KV Hessen

https://www.kvhessen.de/abrechnung-ebm/telefonsprechstunde/

Welche Praxis-Tipps gibt es für videokonferenz-basierte Psychotherapie?

Wie können Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeutinnen und –therapeuten die Videosprechstunde nutzen?

Wir empfehlen, die Möglichkeit der Videosprechstunde als Chance zu sehen und individuell mit dem Kind gemeinsam zu erproben, was gut funktioniert. Je nach dem könnte die Videosprechstunde auch in zwei Einheiten aufgeteilt werden oder es werden nur 25 Minuten Einheiten Videotherapie appliziert. Insbesondere bei kleineren Kindern empfehlen wir, kürzere Sequenzen durchzuführen. Positiv ist z.B. auch, dass die Videosprechstunde dazu genutzt werden die Bezugspersonen partiell einzubeziehen bzw. ein Bezugspersonengespräch zu führen.

Bei älteren Kindern sowie Jugendlichen ist ein längeres Gespräch möglich, indem auf die Aktualsituation des Kindes Bezug genommen werden kann. Derzeit ist durch den fehlendenden Schulbesuch und der veränderten Betreuungssituation eine Strukturierung des Tages für die Kinder und Jugendlichen nicht gegeben. In einigen Fällen tritt eine Verschiebung des Tag- Nacht-Rhythmus auf. Den Kindern und Jugendlichen fehlt ein Ansprechpartner, außerhalb der Familie. Der Einsatz von Spielmaterial ist begrenzt möglich, ich verweise aber auf den Einsatz von Handpuppen, die Möglichkeit Geschichten zu erzählen und andere kreatives Vorgehensweisen, die in diesem Zusammenhang einsetzbar sind. Da die älteren Kinder und Jugendlichen ja zumeist medienaffin sind, denken wir, dass die Videosprechstunde mit dieser Altersgruppe gut nutzbar sein könnte.

Die Durchführung von Spieltherapie im eigentlichen Sinn bedarf besonderer Kreativität über Video.

Darf ich die Videotherapie als Psychotherapeut auch von zuhause durchführen?

Hier kursieren unterschiedliche Aussagen. Auf Anfrage bei der insoweit maßgeblichen Kassenärztlichen Vereinigung Hessen (KVH) haben wir die Auskunft erhalten, dass die Leistungserbringung bei der Videotherapie – wie im übrigen auch – an den vertragspsychotherapeutischen Sitz der Praxis gebunden ist. Sie müssen sich also in der Praxis befinden und dürfen die Therapie nicht im häuslichen Arbeitszimmer durchführen. Möglicherweise wird es aber kurzfristig eine abweichende Auslegung geben. Bitte verfolgen Sie hierzu auch die Mitteilungen der KVH.

Wo finde ich ein Einwilligungsformular für die Videosprechstunde?

Bevor eine psychotherapeutische Behandlung über einen zertifizierten Videodienstleister erfolgen kann, muss der Patient oder die Patientin oder sein gesetzlicher Vertreter eine Einwilligungserklärung unterzeichnen. Ein Musterformular finden Sie hier.

Wenn ich selbst Corona-Positiv getestet werden sollte, dürfte ich dann (wenn meine Praxis für Patienten geschlossen werden sollte) vom Praxisraum heraus, Videosprechstunde anbieten?

Derzeit würde bei einem positiven Testergebnis eine häusliche Quarantäne durch das Gesundheitsamt angeordnet. Eine psychotherapeutische Versorgung der Patienten durch den Erkrankten ist daher in der Praxis nicht möglich.

Videosprechstunde: Technik – Vergütung – Patienteninformation

Patientinnen und Patienten müssen nicht für jeden Termin in die Praxis kommen.Die Organisation ist denkbar einfach: Psychotherapeut(inn)en wählen einen zertifizierten Videodienstanbieter aus, der für einen reibungslosen und sicheren technischen Ablauf der Videosprechstunde sorgt. Praxis und Patient benötigen im Wesentlichen einen Bildschirm mit Kamera, Mikrofon und Lautsprecher sowie eine Internetverbindung. Eine zusätzliche Software ist nicht erforderlich.

Weitere Einzelheiten zu technischen Anforderungen und zur Vergütung erfahren Sie hier: 

https://www.kbv.de/html/videosprechstunde.php

Eine Patienteninformation über Videosprechstunden ist hier verfügbar: 

https://www.kbv.de/media/sp/Patienteninformation_Videosprechstunde.pdf

Anschubförderung (bei mindestens 15 Videosprechstunden pro Quartal):

Seit 1. Oktober 2019 zahlen die gesetzlichen Krankenkassen eine Anschubfinanzierung für Ärzte und Psychotherapeuten, die Videosprechstunden durchführen – für bis zu 50 Online-Visiten im Quartal zehn Euro je Sprechstunde zusätzlich (insgesamt bis zu 500 Euro). Die Fördermöglichkeit gilt für zwei Jahre und erfolgt als Zuschlag über die GOP 01451 (Bewertung: 92 Punkte / 9,95 Euro). Voraussetzung für den Zuschlag ist, dass die Praxis mindestens 15 Videosprechstunden im Quartal durchführt. Der Zuschlag wird dann automatisch durch die Kassenärztliche Vereinigung zugesetzt.

Anschubförderung Videosprechstunde (Stand: 10.2019, PDF, 72 KB)

Übrigens:

Mit dem Angebot “Mein PraxisCheck” Informationssicherheit können Praxen mit 14 Fragen zu Datenschutz und Informationssicherheit testen, wie sicher sie sind: Von Aufbewahrungsfristen der Patientenunterlagen über Risiko- und Fehlermanagement bis hin zu Zugängen zu IT-Systemen.

Finanzen

Wie soll ich mich mit dem Ausfallhonorar verhalten, wenn Patienten ihre Angst äußern, in die Praxisräume zu kommen?

Rechtlich gelten hier keine Besonderheiten. Wenn Patenten sehr kurzfristig absagen und ein Ausfallhonorar vereinbart ist, können Sie dies grundsätzlich auch erheben. Wir empfehlen gleichwohl eine Prüfung im Einzelfall, ob dies angemessen erscheint.

Finanzen in der Corona-Krise: Hilfe für Praxen – wo?

Informationen zu Liquiditätshilfen (über die KfW) finden sich hier: 

https://www.kfw.de/KfW-Konzern/Newsroom/Aktuelles/KfW-Corona-Hilfe-Unternehmen.html

Hier handelt es sich um Kreditprogramme – nicht um Zuschüsse. 

Bei Mitgliedern mit KV-Zulassung kann bei absehbaren Engpässen mit der KV Hessen Kontakt aufgenommen werden, um die Vorauszahlungen anpassen zu lassen.

Sollte die Liquidität gefährdet sein, kann über das Finanzamt auch die Steuervorauszahlung angepasst werden. Hierzu ist Kontakt mit dem jeweiligen Amt aufzunehmen. Gegebenenfalls kann eine Steuerstundung beantragt werden, wenn die Zahlung eine erhebliche Härte darstellt.

Das Land Hessen informiert über ein Kreditprogramm unter: https://wirtschaft.hessen.de/presse/pressemitteilung/coronahilfen-fuer-unternehmen

und hier:  

https://finanzen.hessen.de/presse/pressemitteilung/hessen-stellt-kurzfristig-75-milliarden-euro-aussicht

Weitere Staatshilfen in Form von Zuschüssen werden derzeit beraten.

Kinder- und Jugendlichenpsychotherapie

Welche Ideen für KJP gibt es für die Videotherapie mit Kindern und Jugendlichen?

Wer muss für die Videotherapie bei Kindern und Jugendlichen das Einverständnis erklären?

Für die Videotherapie brauchen Sie eine Einverständniserklärung des/r Sorgeberechtigten. Wir empfehlen, die Einverständniserklärung unbedingt schriftlich einzuholen. Bei gemeinsam ausgeübtem Sorgerecht müssen beide Elternteile mit der Videobehandlung einverstanden sein.

Sind Kinder bzw. Jugendliche einsichtsfähig und damit einwilligungsfähig (das ist meist ab ca. 14 Jahren), reicht das Einverständnis des Kindes/Jugendlichen aus.

Soll ich meine Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeutische Praxis schließen?

Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeuten mit KV-Zulassung haben einen mit der Zulassung übernommenen Versorgungsauftrag zu erfüllen und dürfen Ihre Praxis daher nicht ohne Weiteres schließen. Ohne weitere Genehmigung  ist dies nur für 12 Wochen innerhalb von 12 Monaten zulässig, wobei bisherige Urlaubs- und Krankheitszeiten berücksichtigt werden müssen. Soll die Praxis länger ruhen, muss dies durch den Zulassungsausschuss genehmigt werden.

Bedeutsam ist in jedem Fall auch, mit welcher Altersgruppe und mit welchen Störungsbildern die Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeutin arbeitet. Bitte beachten sie, dass sie suizidale Patienten, wenn sie sie nicht persönlich versorgen können an psychiatrische Institutsambulanzen bzw. die zuständige Versorgungsklinik verweisen.

Im Rahmen von Behandlungskontakten ist bei kleineren Kindern das Abstandhalten von 2m definitiv schwieriger. Aus unserer Sicht spielt dabei eine Rolle, wie ansprechbar das Kind ist und in welcher Therapiephase es sich befindet. Ebenso bei unruhigen und hyperaktiven Kindern können Sie nur aus Ihren Erfahrungen mit dem einzelnen Kind schöpfen, was möglich ist.

Wie können Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeutinnen und –therapeuten die Videosprechstunde nutzen?

Wir empfehlen, die Möglichkeit der Videosprechstunde als Chance zu sehen und individuell mit dem Kind gemeinsam zu erproben, was gut funktioniert. Je nach dem könnte die Videosprechstunde auch in zwei Einheiten aufgeteilt werden oder es werden nur 25 Minuten Einheiten Videotherapie appliziert. Insbesondere bei kleineren Kindern empfehlen wir, kürzere Sequenzen durchzuführen. Positiv ist z.B. auch, dass die Videosprechstunde dazu genutzt werden die Bezugspersonen partiell einzubeziehen bzw. ein Bezugspersonengespräch zu führen.

Bei älteren Kindern sowie Jugendlichen ist ein längeres Gespräch möglich, indem auf die Aktualsituation des Kindes Bezug genommen werden kann. Derzeit ist durch den fehlendenden Schulbesuch und der veränderten Betreuungssituation eine Strukturierung des Tages für die Kinder und Jugendlichen nicht gegeben. In einigen Fällen tritt eine Verschiebung des Tag- Nacht-Rhythmus auf. Den Kindern und Jugendlichen fehlt ein Ansprechpartner, außerhalb der Familie. Der Einsatz von Spielmaterial ist begrenzt möglich, ich verweise aber auf den Einsatz von Handpuppen, die Möglichkeit Geschichten zu erzählen und andere kreatives Vorgehensweisen, die in diesem Zusammenhang einsetzbar sind. Da die älteren Kinder und Jugendlichen ja zumeist medienaffin sind, denken wir, dass die Videosprechstunde mit dieser Altersgruppe gut nutzbar sein könnte.

Die Durchführung von Spieltherapie im eigentlichen Sinn bedarf besonderer Kreativität über Video.

Empfiehlt die Psychotherapeutenkammer die Weiterbehandlung Kindern und Jugendlichen in der Praxis?

Falls Kinder und Jugendliche nicht stabil genug sind, ist es notwendig, zu diesen den Kontakt aufrechtzuerhalten. Das geht auch über Videosprechstunden, die aber je nach Alter des Kindes/Jugendlichen kürzer sein müssen. Derzeit dürfte es gerade bei Kindern und Jugendlichen schwierig sein, die Behandlung in der Praxis fortzuführen. Sollten die Kinder und Jugendlichen sehr instabil werden, ist eine Überweisung an eine kinderpsychiatrische Klinik notwendig.

 

FAQs der Kassenärztlichen Bundesvereinigung

 

Hinweis zu den FAQ:

Bitte beachten Sie, dass aufgrund der dynamischen Entwicklung – diese Antworten stets unter Vorbehalt neuer Erkenntnisse stehen.

Sobald wir neuere bzw. weitere Informationen erhalten, werden wir Sie auf diesen Internetseiten informieren.

Bleiben Sie gesund!