Behandlungen in der Kostenerstattung gefährdet? - Psychotherapeutenkammer Hessen

Behandlungen in der Kostenerstattung gefährdet?

Die Veränderungen der Psychotherapierichtlinie, die voraussichtlich im April 2017 in Kraft tritt, könnten nach Auffassung des Vorstands zusammen mit neuen Regelungen des SGB V, die sich bereits ab Anfang 2017 auswirken werden, zu einem Rückgang der Genehmigungen von Behandlungen in der Kostenerstattung führen.

Folgende Faktoren spielen dabei möglicherweise eine Rolle:

  1. Die Psychotherapierichtlinie führt u.a. eine psychotherapeutische Sprechstunde sowie eine psychotherapeutische Akutbehandlung ein. Der Besuch einer psychotherapeutischen Sprechstunde vor Aufnahme bzw. Genehmigung einer Psychotherapie ist bis auf wenige Ausnahmefälle verpflichtend.

  2. Die Vermittlung eines Termins für ein Erstgespräch im Rahmen der psychotherapeutischen Sprechstunden und der sich aus der Abklärung ergebenden zeitnah erforderlichen Behandlungstermine wird dann in die Vermittlungstätigkeit der Terminservicestellen der Kassenärztlichen Vereinigungen einbezogen (§ 75 Abs. 1a SGB V).

  3. Kann die Kassenärztliche Vereinigung keinen Termin bei einem Kassenbehandler anbieten, hat sie einen ambulanten Behandlungstermin in einem zugelassenen Krankenhaus anzu bieten (§ 75 Abs. 1a SGB V).

Damit entsteht ein Behandlungspfad, bei dem eine Behandlung in der Kostenerstattung nicht vorgesehen ist und der stringent an der Kostenerstattung vorbei führt.

Zwar bestehen zunächst die bekannten Kapazitätsprobleme weiter, es sind aber Szenarien möglich, die zu Erweiterungen der Kapazitäten führen können:

  • Psychotherapeutische Praxen können künftig ihren Patienten mehr Behandlungen dadurch anbieten, dass sie sich leichter einen Praxissitz teilen (Jobsharing) oder einen Psychotherapeuten anstellen können. Künftig können Psychotherapeuten mit diesen Mitteln die Anzahl ihrer Behandlungsstunden (“Praxisumfang”) auf 125 Prozent des Durchschnitts ihrer Berufsgruppe (“Fachgruppendurchschnitt”) steigern.
  • Ambulante Krankenhausbehandlung, die über die Terminvermittlung der Kassenärztlichen Vereinigung eingeleitet wird, stellt sich für die Ambulanzen wirtschaftlich attraktiv dar. Das könnte Krankenhäuser zum Ausbau ihrer Kapazitäten in der ambulanten Versorgung veranlassen.

Noch steht nicht fest, wie sich die weitere Entwicklung konkret gestaltet, welche Entscheidungen potentiell Beteiligte treffen werden und welche Auswirkungen sich letztlich ergeben. Wir möchten aber die Kolleginnen und Kollegen, die in der Kostenerstattung tätig sind, schon heute sensibilisieren und auf die mögliche Gefährdung ihrer beruflichen Grundlage  hinweisen.