21.11.2018

Psychotherapeutentag sieht Reformbedarf bei Expertengremium

Resolution aus Hessen: „Psychotherapie-Kompetenz in den Sachverständigenrat“

Der Deutsche Psychotherapeutentag (DPT) bittet das Bundesministerium für Gesundheit (BMG) darum, den Sachverständigenrat zur Begutachtung der Entwicklung im Gesundheitswesen (SVR Gesundheit) durch zumindest eine Expertin oder einen Experten für psychische Erkrankungen zu ergänzen. Dies hat der Deutsche Psychotherapeutentag in Berlin (am 17.11.) auf Antrag der Psychotherapeutenkammer Hessen einstimmig beschlossen. „Mit Blick auf den hohen Anteil psychischer Erkrankungen beim Krankenstand und bei Frühverrentungen ist es angemessen, die Kompetenz des Sachverständigenrates um diesen Bereich zu erweitern“, heißt es in einer von der Psychotherapeutenkammer Hessen in Wiesbaden verbreiteten Begründung dieser Resolution: „Funktionierende Zukunftskonzepte für eine sinnvolle Vernetzung der Leistungserbringer im Gesundheitswesen lassen sich am besten von Fachleuten entwickeln, die alle beteiligten Akteure im Blick haben und auch in die Konzeptbildung einbeziehen.“

Resolution aus Hessen zum Sachverständigenrat Gesundheit.

„Bessere Koordination der Versorgung von Menschen mit seelischen Erkrankungen“

Derzeit besteht der SVR Gesundheit aus Gesundheits- und Pflegewissenschaftlern sowie Experten für Volkswirtschaftslehre, das Management im Gesundheitswesen, für Klinische Pharmakologie, für Innere Medizin und Allgemeinmedizin: „Für das Gutachten 2018, das Wege (z. B.) für eine bessere Koordination der Versorgung von Menschen mit psychischen Erkrankungen suchte, wäre die Einbeziehung von Fachleuten aus diesem Bereich sicher eine Bereicherung der Expertise des Sachverständigenrats gewesen.“ Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten bieten dem SVR deshalb ihre Mitarbeit an. Eine ähnlich lautende Resolution war bereits (am 3.11.) in Wiesbaden von der Delegiertenversammlung der Psychotherapeutenkammer Hessen auf Landesebene einstimmig befürwortet worden.  

Delegiertenversammlung verabschiedete einstimmig Resolution zu TSVG-Plänen.

„Gegen Rationierung und Priorisierung psychotherapeutischer Behandlungen“

Beim Deutschen Psychotherapeutentag in Berlin wurde am Samstag (17.11.) zudem eine von der Psychotherapeutenkammer Hessen eingebrachte Resolution zum umstrittenen “Gesetz für schnellere Termine und bessere Versorgung“ (Terminservice- und Versorgungsgesetz – TSVG) verabschiedet, dessen Entwurf das Bundeskabinett am 26. September 2018 passiert hatte. Der Deutsche Psychotherapeutentag fordert das Bundesministerium für Gesundheit (BMG) sowie die Gesundheitspolitiker aller Bundestagsfraktionen in der einstimmig verabschiedeten Resolution auf, dem Entwurf so nicht zuzustimmen. Dies gilt vor allem für § 92 SGBV Abs. 6a des Regierungsentwurfs: „Der Gemeinsame Bundesausschuss beschließt in den Richtlinien Regelungen für eine gestufte und gesteuerte Versorgung für die psychotherapeutische Behandlung einschließlich der Anforderungen an die Qualifikation der für die Behandlungssteuerung verantwortlichen Vertragsärzte und psychologischen Psychotherapeuten.“

Eine solche „gestufte und gesteuerte Versorgung“ kann nach Überzeugung des Deutschen Psychotherapeutentages „weder einen zeitnahen Behandlungszugang gewährleisten noch Qualität und Wirtschaftlichkeit der Leistungen verbessern“. Tatsächlich ziele dies auf „Rationierung und Priorisierung psychotherapeutischer Behandlungen“. Die beabsichtigte Regelung (in § 92 SGB V) diskriminiere psychisch kranke Menschen: „Sie baut neue Hürden vor der psychotherapeutischen Behandlung von Patient(inn)en auf“. Patient(inn)en müssten sich mit einer Erkrankung gleich mehreren Ärzt(inn)en und Psychotherapeut(inn)en öffnen und unnötig lange Versorgungswege beschreiten: „Dies ist für psychisch Kranke eine Zumutung – es konterkariert das Bemühen um einen niedrigschwelligen Behandlungszugang.“ Ein ausführlicher Bericht über den 33. DPT mit genauen Wortlauten von Beschlüssen und Resolutionen in Berlin wird von der Bundespychotherapeutenkammer (BPtK) erstellt. Dieser wird, sobald er vorliegt, ebenfalls auf dieser Homepage veröffentlicht werden.

  • Der Deutsche Psychotherapeutentag (DPT) ist die Bundesdelegiertenversammlung der Bundespsychotherapeutenkammer. Die Bundesdelegiertenversammlung ist Organ der Bundespsychotherapeutenkammer (www.bptk.de) und besteht aus den von den Psychotherapeutenkammern der Länder nach Landesrecht bestimmten Bundesdelegierten bzw. deren Stellvertretern. Gegenwärtig umfasst die Bundesdelegiertenversammlung rund 140 Bundesdelegierte.
  • Die Psychotherapeutenkammer Hessen (www.ptk-hessen.de) ist die Selbstverwaltung aller Psychologischen  Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten und Kinder-  und Jugendlichen-Psychotherapeutinnen und    -psychotherapeuten des Landes. In der Psychotherapeutenkammer Hessen sind rund 5.400 qualifizierte Expertinnen und Experten organisiert – mehr als 1.000 von ihnen sind auf die Arbeit mit Kindern und Jugendlichen spezialisiert.
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