13.09.2018

„Einsamkeit ist nicht dasselbe wie Alleinsein“

Psychologin: Alle Altersgruppen betroffen – nicht nur Senioren

Einsamkeit ist nicht nur ein Problem des hohen Alters. Die Wissenschaftlerin Prof. Dr. Maike Luhmann, Professorin für Psychologie an der Ruhr-Universität Bochum, ist überzeugt:
„Einsamkeit ist nicht dasselbe wie Alleinsein. Man kann alleine sein, ohne sich einsam zu fühlen. Und kann man sehr einsam sein, obwohl man von anderen Menschen umgeben ist.“ Wie Maike Luhmann am Donnerstagabend (13. September 2018) bei einer Veranstaltung in Frankfurt erklärte, ist Einsamkeit ein weit verbreitetes Phänomen: „Viele Menschen in Deutschland empfinden ihre sozialen Beziehungen als unzureichend und fühlen sich nirgendwo zugehörig. Obwohl Einsamkeit besonders häufig Senioren trifft, sind alle Altersgruppen betroffen.“

Risiko chronischer Einsamkeit: Kürzeres Leben

Expertin Prof. Dr. Maike Luhmann: Einsamkeit trifft nicht nur Senioren.   Foto: ©RUB, Kramer

Wie Maike Luhmann erläuterte, wird Einsamkeit häufig durch Veränderungen im sozialen Umfeld ausgelöst – zum Beispiel durch Scheidung oder Tod des Ehepartners: „Ob und wie sehr man dann unter Einsamkeit leidet, hängt aber von einer Reihe von weiteren Faktoren ab.“ Die Wissenschaftlerin verwies dabei zum Beispiel auf genetische Veranlagung, Persönlichkeit oder die weiteren Lebensumstände. Chronische Einsamkeit gehe mit einer Reihe von gesundheitlichen Probleme einher – „Schlafprobleme, geringere körperliche Aktivität, Übergewicht, Herz-Kreislauf-Erkrankungen und sogar ein erhöhtes Risiko, früher zu sterben.“ Luhmann sprach in Frankfurt (in der Landeszahnärztekammer Hessen) im Rahmen eines gesellschaftspolitischen Forums („Bad Nauheimer Gespräche“) über aktuelle wissenschaftliche Erkenntnisse zu Risiko- und Schutzfaktoren von Einsamkeit. Zudem zeigte sie mögliche Wege aus der Einsamkeit auf und diskutierte mit Expertinnen und Experten über Einsamkeit aus individueller, gesellschaftlicher und politischer Perspektive.

– Dem Förderkreis der „Bad Nauheimer Gespräche“ gehören neben der Kassenärztlichen Vereinigung Hessen, der Landesärztekammer und der Landesapothekerkammer (u. a.) auch die Landeszahnärztekammer und die Psychotherapeutenkammer Hessen an. Die Psychotherapeutenkammer ist die Selbstverwaltung aller Psychologischen Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten und Kinder- und Jugendlichen-Psychotherapeutinnen und -psychotherapeuten des Landes. In der Psychotherapeutenkammer Hessen (www.ptk-hessen.de) sind rund 5.400 qualifizierte Expertinnen und Experten organisiert – mehr als 1.000 von ihnen sind auf die Arbeit mit Kindern und Jugendlichen spezialisiert. Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten sind Expertinnen und Experten für psychische Gesundheit und psychische Erkrankungen – sie tragen mit ihrer Tätigkeit zur Gesundheit in der Bevölkerung Hessens bei. Die Kammer setzt sich für leistungsfähige Versorgungsstrukturen und berufsübergreifende Zusammenarbeit ein. Sie arbeitet eng mit anderen Kammern zusammen und pflegt regen Austausch mit Organisationen des Gesundheitswesens in Gremien und Initiativen. Als Körperschaft des öffentlichen Rechts ist die Psychotherapeutenkammer Hessen demokratisch verfasst.     (rge)

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