Ethische Grundlagen und Prinzipien der psychoth. Berufsordnung und Berufspraxis - Psychotherapeutenkammer Hessen

Besondere Erfordernisse der Berufsordnung durch die Ansprüche in der Kinder- und Jugendlichenpsychotherapie

Im Hinblick auf die entwicklungsbedingt eingeschränkte Autonomie und die damit einhergehende  Entscheidungsfähigkeit von Kindern und Jugendlichen sowie deren Abhängigkeit von der Entscheidung Dritter sind bei der Behandlung zusätzliche Gesichtspunkte zu berücksichtigen. Diese Aspekte können eine besondere Herausforderung an die psychotherapeutische Behandlung von Kindern und Jugendlichen darstellen, da sie in nicht unerheblichem Maße die Behandlung, das Erleben der PatientIinnen und insofern auch den Erfolg der Behandlung beeinflussen können. 

Rechtliche Besonderheiten in der Kinder- und Jugendlichenpsychotherapie

Um die ethischen Besonderheiten in der KJP nachvollziehen zu können, muss deutlich sein, dass bezüglich der Einwilligung in die Diagnostik und Behandlung von nicht einsichtsfähigen Kindern und Jugendlichen besondere rechtliche Rahmenbedingungen gelten. Es sind daher nicht nur die Sorgeberechtigten, sondern selbstverständlich auch die betroffenen Kinder und Jugendlichen ihrem Entwicklungsstand entsprechend aufzuklären.

Ethische Besonderheiten in der Kinder- und Jugendlichenpsychotherapie

Damit ein Patient sein Selbstbestimmungsrecht ausüben kann, ist stets eine umfassende entwicklungsgemäße Aufklärung des Kindes/Jugendlichen sowie der Erziehungsberechtigten erforderlich. Dies betrifft nicht nur das therapeutische Verfahren, angestrebte Ziele und dafür einzusetzende Methoden, sondern auch unerwünschte Wirkungen, Prognose und alternative Behandlungsansätze.

Da sich die Autonomieentwicklung bei Kindern und Jugendlichen noch in der Entfaltung befindet und auch mit zunehmendem Alter vom Bedürfnis der Abgrenzung von der Erwachsenenwelt (besonders der Bezugspersonen) geprägt ist, kann es bereits bei der Einleitung der Behandlung zu Konflikten bei den gegebenenfalls unterschiedlichen Vorstellungen hinsichtlich des Behandlungsziels zwischen den heranwachsenden Patienten und den Sorgeberechtigten kommen.

Die Fähigkeit eines Kindes, über sich und seine Entwicklung entscheiden zu können, spielt bereits mit Aufnahme des Erstkontakts eine wichtige Rolle und wird im Verlauf einer Behandlung zunehmend bedeutsamer. Bei jeder Behandlung muss diese Frage der Entscheidungsfähigkeit überprüft werden, um einerseits dem Sorgerecht der Eltern oder anderer Sorgeberechtigter zu entsprechen und andererseits auch bei einem minderjährigen Patienten dessen Recht auf Selbstbestimmung im Rahmen seiner Entwicklung anzuerkennen. Hier kann es zu konträren Einschätzungen kommen, die vor Beginn der Behandlung sorgfältig abzuwägen und im Hinblick auf die Ziele und den Verlauf der Behandlung zu überprüfen sind.

In der Berufsordnung der Psychotherapeutenkammer Hessen wird diesen Besonderheiten in folgenden Paragraphen Rechnung getragen:

  • § 11 Schweigepflicht, Absatz 3 (Fürsorge), Absatz 4 (minderjährige Patienten) und Absatz 5 (soziales Umfeld)
  • § 12 Aufklärung, Absatz 1 (minderjährige Patienten)
  • § 13 Abstinenz, Absatz 5 (Sorgeberechtigte)
  • § 14 Umgang mit minderjährigen oder nicht unbeschränkt einwilligungsfähigen Patientinnen und Patienten.

Diese Paragraphen sind getragen von der besonderen Verantwortung des/der Psychotherapeuten/Psychotherapeutin im Umgang mit seinen minderjährigen PatientInnen und deren Bezugspersonen.

Diese Besonderheiten werden in der Kinder- und Jugendlichenpsychotherapie besonders berücksichtigt und in die Patientenakte aufgenommen werden.

22.4.18