06.05.2019

„Faire Übergangsregelungen und zeitnahe Verbesserungen“

Delegiertenversammlung fordert rasch optimierte Ausbildungsfinanzierung

Obschon die Psychotherapeutenkammer Hessen den Entwurf für das Psychotherapeuten-Ausbildungsreformgesetz (PsychThGAusbRefG) insgesamt für wegweisend hält: Es gibt nach Überzeugung der Delegiertenversammlung der Kammer „deutlichen Nachbesserungsbedarf mit Blick auf jene Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten, die sich bereits jetzt in der Ausbildung – und in einer deshalb oft prekären Lage – befinden“. Für sie müsse das Gesetz „kurzfristig wirksame Mindestanforderungen für die Ausbildungsfinanzierung enthalten, damit die bereits seit Jahrzehnten beklagte Misere ein rasches Ende hat“, heißt es in einer (am 6. 5.) von der Psychotherapeutenkammer Hessen veröffentlichten Resolution der Delegiertenversammlung.

 

Milliarden-Reserven der Krankenkassen: Pragmatische Finanzierungsregelung möglich

In der Resolution wird gefordert: Für jene Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten, die sich bereits jetzt in der Ausbildung befinden, müssen Regelungen gefunden werden, mit denen die Ausbildungsfinanzierung fair geregelt und gesichert wird: „Diese Regelungen müssen kurzfristig wirksam (z. B. ab 1.1.2020) werden und durch die Fachaufsicht überprüfbar sein.“ Da die Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten in Ausbildung (PiA) nach Darstellung der Kammer „bereits einen entscheidenden Beitrag zur Versorgung psychisch kranker Menschen in stationären Einrichtungen erbringen und Krankenkassen Reserven von rund 21 Milliarden Euro (Stand 12/2018) angehäuft haben“, müsse für die Reformgesetz-Übergangsphase eine pragmatische Finanzierungsregelung getroffen werden.

 

Psychotherapeutenkammer Hessen fordert in dieser Resolution eine faire Bezahlung für PiA.

„Zwei-Klassen-Gesellschaft“ mit zusätzlicher Ungleichbehandlung vermeiden

In der Begründung der Resolution heißt es: „Eines der zentralen Anliegen der Reform in der Psychotherapeutenausbildung ist es, die Sicherung der sozialen Stellung der Studierenden während des Studiums zu gewährleisten. Für Studierende, die den Masterstudiengang nach diesem Gesetzentwurf neu beginnen werden, sei dies grundsätzlich gelungen. Aktuell erhalten die „Psychotherapeut(inn)en in Ausbildung“ (PiA) allerdings oft weder ein faires Entgelt noch sind sie sozialrechtlich abgesichert. Der bisher vorliegende Gesetzentwurf enthält keine Übergangsregelung, die diesen Zustand beseitigt. Die Delegiertenversammlung der Psychotherapeutenkammer Hessen bekräftigt die Bitte des Bundesrates, „im weiteren Gesetzgebungsverfahren eine faire Übergangsregelung für die aktuellen Ausbildungs-Kandidat(inn)en zu treffen“.  Denn auch mit Blick auf die Übergangsphase von zwölf Jahren werden noch sehr viele Absolvent(inn)en die Ausbildung „im alten System“ durchlaufen. Um für diesen Zeitraum keine „Zwei-Klassen-Gesellschaft“ in der psychotherapeutischen Ausbildung entstehen zu lassen, müsse es dringend eine Übergangsregelung geben, mit der Vergütung sowie die sozialrechtliche Absicherung für die ambulante Arbeit geregelt werde. Ohne entsprechende Verbesserungen für die Psychotherapeut(inn)en in Ausbildung würde es in der Übergangszeit zu einer zusätzlichen Ungleichbehandlung von Psychotherapeut*innen in Ausbildung und Psychotherapeut*innen in Weiterbildung (PiW) kommen. Letztere würden – aufgrund ihrer bereits nach dem Master erlangten Approbation – “Auszubildende erster Klasse” sein, während erstere für ähnliche Tätigkeiten weiter eine deutlich schlechtere Vergütung bekämen. Entsprechende Verbesserungen brauche es unverzüglich, da es sonst während der Übergangszeit zu Parallelstrukturen und sozialer Ungerechtigkeit zwischen Psychotherapeut*innen in Ausbildung und Psychotherapeut*innen in Weiterbildung kommt.

 

Daher gelte es, die Ansätze, die auch von Verbänden und den Studierenden selbst bereits vorgebracht wurden, gründlich zu prüfen und zeitnah eine geeignete Lösung zu implementieren – fordert die Delegiertenversammlung der Psychotherapeutenkammer, die am Samstag (4.5.) in Wiesbaden tagte. Durch seine Universitäten und viele Ausbildungsinstitute für Psychotherapie gilt Hessen als ein für die Ausbildung von Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten wichtiges Bundesland: Allein an den Universitäten in Frankfurt, Gießen, Kassel und Marburg gibt es rund 3.500 Psychologiestudierende. Die Zahl der Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten in Ausbildung (PiA) liegt in Hessen aktuell bei 1.187 (also fast 1.200).

 

(rge)

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