Nachwuchssituation erregt Besorgnis

Die LPPKJP Hessen nimmt Stellung zur bedrohlichen Ausbildungssituation von PiA und KJPiA in der “Praktischen Tätigkeit“.

Von Susanne Walz-Pawlita

Die Informationsveranstaltungen des Kammervorstandes für die Psychologischen Psychotherapeutinnen und -therapeuten (PiA) und Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeutinnen und -therapeuten in Ausbildung (KJPiA) im Juli und September 2007 haben die besorgniserregende Situation der Teilnehmer während ihrer „Praktischen Tätigkeit“ deutlich gemacht:

Mehr als 50 Prozent der anwesenden Ausbildungsteilnehmer und -teilnehmerinnen erhalten keine oder eine nur eine minimale Vergütung während der insgesamt 1800 Stunden „Praktischer Tätigkeit“ in den psychiatrischen und psychosomatisch-psychotherapeutischen Einrichtungen, die sich nach den Vorgaben des Psychotherapeutengesetzes bei einer Wochenarbeitszeit von wenigstens 26 Stunden über einen Zeitraum von mindestens 1,5 Jahren erstrecken muss. Aufgrund der fehlenden gesetzlichen Verpflichtung der Krankenhausträger, an der postgradualen Ausbildung der Psychologischen Psychotherapeuten und Kinder- und Jugendlichen-Psychotherapeuten mitzuwirken, steht die Vergütung der PiA/KJPiA  im Ermessen der Kliniken.

Obwohl die betreffenden Kolleginnen und Kollegen als diplomierte Psychologen, Pädagogen oder Sozialpädagogen  ihre  Qualifikation nachgewiesen haben und in den Krankenhäusern an der Versorgung beteiligt sind, geraten sie durch die Vorgaben des Psychotherapeutengesetzes (PsychThG) in die Rolle von „Praktikanten“, die eine Bezahlung während der langen Beschäftigungszeiten nicht zwingend erforderlich macht. Eine Finanzierung durch BAföG oder andere Studienkredite ist aufgrund des Alters der Ausbildungsteilnehmer meistens nicht mehr möglich. Daher sind die PiA/KJPiA während ihrer durchschnittlich dreijährigen Vollzeit-, bzw. sechsjährigen Teilzeitausbildung auf die Unterstützung durch Lebenspartner, Eltern oder Privat-Kredite angewiesen. Im Gegensatz zur psychotherapeutischen Ausbildung ist die Weiterbildung der Assistenzärzte zum Facharzt für Psychiatrie/Psychotherapie eine gesetzliche Aufgabe der Kliniken, die in deren Budgetverhandlungen eingeht.  In einem Gespräch des Kammervorstands mit der Verwaltungsspitze des Landeswohlfahrtsverbandes (LWV), der als größter überörtlicher Krankenhausträger in Hessen die psychiatrischen und psychotherapeutischen Kliniken führt, wurde auf die Notlage im PiA-/KJPiA-Bereich hingewiesen. Der Sprecher der Direktorenkonferenz, Dr. Rolf Speier, Haina, betonte die hohe Kompetenz und Qualifikation der in den Kliniken arbeitenden Ausbildungsteilnehmer. Auch den Klinikleitungen sei die Problematik bekannt, ohne dass aufgrund der fehlenden Gesetzeslage schnell eine verpflichtende Abhilfe geschaffen werden könne. Der Vorstand der LPPKJP Hessen nimmt diese Situation sehr ernst, da sie die elementare Lebenssicherung der psychotherapeutischen Ausbildungsteilnehmer in Frage stellt. So besteht die Gefahr, dass auch hoch motivierte und begabte Interessenten an der psychotherapeutischen Ausbildung in andere Praxisfelder abwandern. Mittel- bis langfristig ist damit nicht nur der Nachwuchs der Berufsgruppe, sondern auch die psychotherapeutische Versorgung der Bevölkerung gefährdet.