Twitter – in der Gesundheitspolitik - Psychotherapeutenkammer Hessen

Twitter – in der Gesundheitspolitik
Digitale Lobbyarbeit 2019: Netzwerk mit aktiven Mitgliedern

Seit Oktober 2018 ist die Psychotherapeutenkammer Hessen bei Twitter (englisch für “Gezwitscher”) aktiv – mit messbarem Erfolg: Im Gesundheitspolitik-Netzwerk hat die Kammer bereits deutlich profitiert (Sichtbarkeit, Kontakte, Reputation). Deshalb hat der Kammervorstand entschieden, die Twitter-Aktivitäten 2019 gezielt weiter auszubauen. Dabei setzen wir verstärkt auf das aktive Engagement unserer Mitglieder. Längst haben einige die interessanten Möglichkeiten dieses Kurznachrichtendienstes auch für sich selbst entdeckt. Denn selbst zunächst eher skeptischen Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten ist beim Testen bewusst geworden, das diese Twitter-Plattform viele Chancen bereithält.

Kein neuer Trend: Pflicht-Instrument zeitgemäßer Kommunikation
Am Anfang vieler Technologietrends steht oft große Euphorie – dem dann meist ein Prozess der Desillusionierung folgt. Viele der sozialen Kommunikationsinstrumente („Social Media“) sind aber kein neuer Trend mehr, sondern ein inzwischen selbstverständlicher Teil zeitgemäßer Kommunikation, dem sich die Psychotherapeutenkammer Hessen nicht verschließen kann. Dies gilt vor allem für Twitter. Der auch bei Politikern und Journalisten populäre Mikrobloggingdienst ist in Deutschlands Gesundheitspolitik zum unverzichtbaren Instrument geworden. Denn ein Teil der gesundheitspolitischen Aktivitäten hat sich auf Twitter verlagert: Institutionen und Unternehmen, die mit einer zeitgemäßen Kommunikationsstrategie in der Gesundheitspolitik gehört und ernst genommen werden möchten, nutzen  „soziale Medien“ ganz gezielt für die digitale Lobbyarbeit. Mit „Digital Public Affairs“ machen Firmen, Kammern und Verbände ihre Positionen und ihren Einfluss dort sichtbar, wo auch Politiker sowie Ministerien sich positionieren und austauschen – bei Twitter (intensiv beobachtet von Journalisten).

Alle relevanten Gesundheitspolitiker (Jens Spahn, Karl Lauterbach, Maria Klein-Schmeink etc.), Parteien und Thinktanks sind auf Twitter unterwegs; viele nutzen das Instrument auch als Seismograph, um ein besseres Gespür für Stimmungen und die Akzeptanz einzelner Positionen zu bekommen. Das ist bei der heftigen, wochenlangen Debatte um die vom Bundesgesundheitsminister geplante „gestufte und gesteuerte Versorgung“ für psychisch kranke Menschen (#TSVG) deutlich geworden. Immer mehr Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten haben sich auch via Twitter in die Debatte eingebracht und deutlich werden lassen, dass hier heftiger Gegenwind aufkommt. Dann haben @Karl_Lauterbach und @jensspahn eingelenkt – nun wird eine andere Lösung gesucht, um die Versorgung von Patienten mit Psychotherapie zu beschleunigen und zu verbessern.

Ausbildungsreform 2019: Kampagnenfähigkeit der Profession
Im Jahr 2019 steht die (Ausbildungs-)Reform des Psychotherapeutengesetzes an. Hier werden Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten ihren Einfluss ebenfalls geltend machen müssen. Deshalb ist es Teil unserer Kommunikations-Strategie als Psychotherapeutenkammer Hessen, den Bereich „Digital Public Affairs“ weiter auszubauen und dafür auch möglichst viele Mitglieder zu mobilisieren. Die Profession muss ihre Kampagnenfähigkeit (mit allen Akteuren – auch in den Verbänden) konzertieren, wenn sie im “Kampf um Aufmerksamkeit” für ihre Themen und Anliegen sowie um Ressourcen in Zukunft gut aufgestellt sein will.
Einladung: Unkomplizierter Zugang in die Welt sozialer Kommunikation
Sie können mit dazu beitragen und so aktiv Teil eines wichtigen Netzwerkes werden. Das geht ganz einfach*. Und es eröffnet neue Zugänge zur Welt 2019. Twitter bietet (als Kurznachrichtendienst mit maximal 280 Zeichen pro Tweet) eine unkomplizierte Gelegenheit, sich in die Funktionsweise „sozialer Medien“ hineinzudenken. Niemand muss sich täglich an digitalen Debatten beteiligen. Wer startet, wird zunächst mitlesen und dabei lernen, wie solche Netzwerke funktionieren. Als Psychotherapeutenkammer möchten wir die Profession mobilisieren und so dokumentieren, dass wir engagierte Mitglieder und ein vitales Netzwerk mit starken Verbündeten haben. Dazu laden wir Sie ganz herzlich ein!

Vielleicht finden Sie in den Tagen zum Jahreswechsel Zeit zum Twitter-Start? Interessierte können sich die Twitter-App (z. B. aufs Smartphone oder Tablet) herunterladen und in wenigen Minuten (https://twitter.com) registrieren. Viel Erfolg! Eine ausführliche Anleitung und Erläuterungen finden Sie hier:

https://help.twitter.com/de/create-twitter-account
https://help.twitter.com/en/twitter-guide

 

Wie wird der Zugang zur Psychotherapie künftig geregelt?
Wie wird der Zugang zur Psychotherapie für Patientinnen und Patienten künftig geregelt sein? Was passiert mit den umstrittenen Passagen im Entwurf für das “Gesetz für schnellere Termine und bessere Versorgung“ (Terminservice- und Versorgungsgesetz – kurz: TSVG). In einer Resolution hatte unsere Psychotherapeutenkammer Hessen das Bundesministerium für Gesundheit (BMG) sowie die Gesundheitspolitiker aller Bundestagsfraktionen aufgefordert, diesem Entwurf so nicht zuzustimmen. Wer sich für diese Entwicklungen in der Gesundheitspolitik interessiert und der @PTK_Hessen bei Twitter folgt, ist täglich aktuell informiert. Dies dokumentieren die Links in diesem Beitrag (s. u.) , die an einem konkreten Beispiel (TSVG) einen Einblick in die Möglichkeiten geben, die Twitter bietet.

Auch der Bundesrat lehnt die im TSVG geplante Reform der Psychotherapie-Richtlinie ab, die eine gestufte und gesteuerte Versorgung für die psychotherapeutische Behandlung zum Ziel haben soll:


Die Proteste der Psychotherapeutenkammer Hessen gegen diese „gestufte und gesteuerte Versorgung“ für Menschen mit psychischen Erkrankungen


hatten schon vor Wochen Wirkung gezeigt: Der in Hessen für Gesundheit zuständige Minister Stefan Grüttner signalisierte Anfang November, das Land Hessen werde im Bundesratsverfahren „große Bedenken“ gegen die geplante Gesetzesänderung vorbringen und für eine Streichung der umstrittenen Passage (von § 92 Abs. 6a SGB V / Streichung von Artikel 1 Nr. 51) votieren:


Im Dezember signalisierte auch Karl Lauterbach ein Einlenken:


Und Jens Spahn zeigte nun Bereitschaft, den Entwurf zu überarbeiten:


Denn die Kommentare in den meisten Medien waren im Tenor eindeutig:

Am #TSVG-Beispiel ist gut zu beobachten, welche Rolle die Kommunikation via Twitter in Deutschlands Gesundheitspolitik spielt, wie sich neue Netzwerke bilden und dadurch neue Dynamiken und öffentlicher Druck entstehen können.

 

PS 

Mit Blick auf 2019 – natürlich ist auch die (PiA-)Situation ein Thema, das bei Gesundheitspolitik-Interessierten via Twitter aufmerksam beobachtet wird: