28.05.2019

„Wenn die Arbeit Ärzte krank macht“ …

Psychotherapeuten in Hessen bieten Hilfen und Kooperation an

Die Gesundheit der Ärzte muss nach Überzeugung der Psychotherapeutenkammer Hessen verstärkt thematisiert werden, wenn das hohe Niveau der Gesundheitsversorgung in Deutschland dauerhaft gesichert werden soll. In einer am Dienstag (28.5.) zum Auftakt des Deutschen Ärztetages 2019 (Münster) verbreiteten Erklärung begrüßt die Psychotherapeutenkammer dessen Schwerpunktthema: „Wenn die Arbeit Ärzte krank macht.“

Kammerpräsidentin Dr. Heike Winter: „Eine bessere Versorgung der Patientinnen und Patienten kann nur gemeinsam gewährleistet werden“.

Wie die Präsidentin der Psychotherapeutenkammer Hessen, Dr. Heike Winter, dazu erklärte, finden immer mehr Ärztinnen und Ärzte den Mut, sich mit ihren Burn-Out-Symptomen, Depressionen und Sucht-Problemen offen auseinander zu setzen und sich professionellen Rat zu holen: „Eine ambulante Psychotherapie ist für diese Probleme die Empfehlung der ersten Wahl für eine wirksame Behandlung. Sie kann den betroffenen Arzt-Kolleginnen und Kollegen helfen, Wege aus dem Teufelskreis von Überlastung, ungünstigen Bewältigungsstrategien und mangelnden Erholungsphasen zu finden.“ Die Psychotherapeutin betont: „Psychische Gesundheit ist für jeden Menschen ein hohes Gut – vor allem für einen so verantwortungsvollen und fordernden Beruf wie den des Arztes. Jeden Menschen kann eine psychische Erkrankung treffen, das ist kein Zeichen von Schwäche.“ Die Arbeitsbedingungen vieler Mediziner – vor allem auch während der Facharztweiterbildung – seien hoch belastend. Wichtig ist nach Überzeugung der Fachleute, sich rechtzeitig Hilfe zu holen und sich untersttzen zu lassen: „Umso mehr ist zu begrüßen, dass sich die Ärzteschaft des Themas offen annimmt und damit auch Vorbild für andere Berufe sein kann.“

„Gute Versorgung der Patienten kann nur gemeinsam gewährleistet werden“

Kammer-Präsidentin Winter zeigt sich zuversichtlich, dass diese Hilfe freinander sowie die im Versorgungsalltag im Interesse der Patienten wichtige Kooperation zwischen Ärzten und Psychotherapeuten in Hessen weiter ausgebaut werden können. Insgesamt kann eine gute Versorgung psychisch kranker Patientinnen und Patienten nach Überzeugung der Psychotherapeutenkammer nur gemeinsam gewährleistet werden – mit entsprechend ausgebildeten Fachexpertinnen und – experten fr die jeweilige Disziplin. „Die Welt von heute ist zu komplex: Kein Generalist kann ber das hinreichende Wissen für die Behandlung aller körperlichen und psychischen Erkrankungen verfügen“, argumentiert Kammerpräsidentin Dr. Winter. Mit Blick auf die kräftig sinkende Zahl von Psychiatern zeigt sich nach Angaben der Psychotherapeutenkammer ebenfalls, „wie dringend wir gut qualifizierte Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten brauchen, um das Behandlungsangebot auch künftig sicher zu stellen.“

Psychotherapeuten unterstützen Forderung nach zusätzlichen Medizin-Studienplätzen

Die Psychotheraupeutenkammer Hessen unterstützt die Forderung nach zusätzlichen Medizinstudienplätzen. Wie aus aktuellen Berechnungen des Zentralinstitutes für die Kassenärztliche Versorgung (ZI) hervorgeht, fehlen in Deutschland jährlich bis zu 6.000 Studienplätze im Fach Humanmedizin – wenn die aktuelle ambulante Versorgungsleistung bis 2035 aufrechterhalten werden soll. Deutschland sei „kurz‐ und mittelfristig also darauf angewiesen, dass der Zuzug von Ärzten und Fachärzten aus dem Ausland erheblich steigt. Nur so kann das gewohnte ambulante Versorgungsniveau gehalten werden.“ Dieser Zuzug von Fachärzten ist nach den Worten von Kammerpräsidentin Winter nicht nur ethisch problematisch, weil diese Mediziner dann in ihren Heimatländern fehlen: „Im Gegensatz zum Beispiel zu Chirurgen sind gerade in der Psychotherapie sehr gute Sprachkenntnisse wichtig, um die Probleme der Patienten zu verstehen und nach einer richtigen Diagnose auch die passende Therapie anbieten zu können. Deshalb ist die Ausbildung hochqualifizierter Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten im eigenen Land von enormer Bedeutung.“ Auch für Hessen errechnen die ZI-Fachleute trotz leicht sinkender Bevölkerungsprognosen bis 2035 einen steigenden Leistungsbedarf.     

(rge)

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