05.09.2018

„Zeitnahe Erstversorgung für Opfer von Straftaten“

Trauma-Zentrum im Dialog mit Psychotherapeutenkammer Hessen

Wiesbaden / Frankfurt (ptk) Das Trauma- und Opferzentrum Frankfurt hat das Präsidium der Psychotherapeutenkammer Hessen über seine Arbeit informiert. Die Diplom-Psychologinnen und Psychologischen Psychotherapeutinnen Susanne Wünsch, Marina Nitsch und Ann-Kristin Ziesel stellten der Kammerpräsidentin Dr. Heike Winter und Vizepräsidentin Else Döring bei einem Treffen in Wiesbaden die Arbeit des Trauma- und Opferzentrums vor. Seit September 2015 gibt es auch in Hessen Institutionen, die (in Anlehnung an die Trauma-Ambulanzen in anderen Bundesländern) eine zeitnahe psychotherapeutische Erstversorgung für Opfer von Straftaten anbieten – das Trauma- und Opferzentrum Frankfurt ist Teil dieses Netzwerkes.

Psychosoziale Prozessbegleitung gegen Ängste vor Gericht

Mit dem Opferrechtsreformgesetz, das zum 1. Januar 2017 in Kraft trat, wurde die psychosoziale Prozessbegleitung in Strafverfahren gesetzlich begründet: Besonders schutzbedürftige Opfer haben einen Anspruch auf professionelle Begleitung und Betreuung während des gesamten Strafverfahrens. Kinder und Jugendliche sowie Erwachsene, die Opfer von Gewalt- bzw. Sexualstraftaten geworden sind, erhalten professionelle Prozessbegleitung. Auf Antrag kann das Gericht diese beiordnen. Hintergrund: Viele Zeuginnen und Zeugen, die körperlich oder seelisch verletzt wurden, verkraften den zum Tatzeitpunkt erlittenen Kontrollverlust und die damit verbundenen Gefühle von Angst, Ohnmacht und Hilflosigkeit nur sehr schwer. Mit dem Näherrücken des Gerichtstermins nehmen die Tat und deren Folgen noch einmal einen großen Raum im Leben der Betroffenen ein.

So entstehen häufig Ängste, die unbekannte Situation der Gerichtsverhandlung nicht vorhersehen und kontrollieren zu können, einem Geschehen wiederum “ausgeliefert’ zu sein. Wie bei dem Gespräch der Expertinnen in der Geschäftsstelle der Psychotherapeutenkammer in Wiesbaden zudem deutlich wurde, fühlen sich Zeuginnen und Zeugen der erneuten Begegnung mit dem Täter oft nicht gewachsen: „Viele Opfer haben Angst, dass ihr mühsames Verarbeiten der Tat und ihrer Folgen mit dem Verhandlungstag endet und alte Wunden wieder aufbrechen.“

Im Dialog: Expertinnen des Trauma- und Opferzentrums Ffrankfurt mit dem Präsidium der Psychotherapeutenkammer Hessen in Wiesbaden.

Ambulante Therapieplätze gesucht für längerfristige Begleitung

Der größte Teil der Zeuginnen und Zeugen, die mit dem Trauma- und Opferzentrum Frankfurt Kontakt aufnehmen, ist sehr erleichtert, dass es im Justizapparat Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter gibt, die speziell für ihre Belange da sind: „Sie bekommen das Gefühl nicht alleine gelassen zu sein. Sie finden Ansprechpartner, die ihre Situation und emotionale Befindlichkeit kennen und ernst nehmen, und die ihnen in allen Fragen vor, während und nach der Gerichtsverhandlung zur Seite stehen.“ Probleme entstehen oft nach Abschluss des Gerichtsverfahrens: Da Betroffene nicht langfristig vom Trauma- und Opferzentrum weiterbetreut werden können, werden Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten gesucht, die den traumatisierten Menschen eine anschließende ambulante Therapie anbieten können. Hier will die Psychotherapeutenkammer Hessen das Trauma- und Opferzentrum in Frankfurt sowie die vergleichbaren Beratungsstellen in Hanau, Gießen, Kassel, Wiesbaden, Fulda, Darmstadt und Limburg-Weilburg unterstützen.

Anfang November veranstaltet die Psychotherapeutenkammer in Frankfurt eine (bereits ausgebuchte) Weiterbildung, die sich mit der psychotherapeutischen Versorgung für Opfer von Gewalttaten und den Leistungen nach dem Opferentschädigungsgesetz (OEG) befasst. Dabei wird das OEG-Traumanetzwerk Hessen vorgestellt, zu dem auch der Verein “Trauma- und Opferzentrum Frankfurt e.V.” gehört. Der Verein hat die Aufgabe, Opfern von Straftaten, Katastrophen und sonstigen traumatischen Ereignissen schnelle Hilfe anzubieten. Die Beratung und Betreuung orientiert sich an den Bedürfnissen der Klienten und Klientinnen. Ziel ist die Bewältigung der Folgen der erlittenen Straftat bzw. Katastrophe. Darüber hinaus vermittelt der Verein den Betroffenen Kontakte zu geeigneten Einrichtungen und anderen Fachleuten. Zum Decken seines Finanzbedarfs erhält der Verein im Rahmen der Festbetragsfinanzierung eine Zuwendung vom Hessischen Ministerium der Justiz. Im Übrigen finanziert er sich durch Bußgeldzuweisungen und Spenden: Er ist als gemeinnützige Organisation anerkannt.                                                                                                      (rge)

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