09.10.2019

Welttag der seelischen Gesundheit: #grueneschleife als Symbol

Rund 40 Prozent aller Menschen haben im Laufe ihres Lebens eine psychische Erkrankung, die behandelt werden sollte. Weil diese Krankheiten in Arbeitswelt und Gesellschaft nach wie vor als Tabuthema gelten, ist am 10. Oktober ein Aktionstag geplant: Mit „Grünen Schleifen“ als Symbole. Gemeinsam mit dem in Hessen für Gesundheit zuständigen Ministerium für Soziales und Integration wirbt die Psychotherapeutenkammer Hessen für mehr Akzeptanz psychischer Erkrankungen. „Dass Menschen in Krisen sich trauen, ihre Probleme offen anzusprechen, setzt Akzeptanz in Beruf und Gesellschaft voraus. Wir setzen mit der `Grünen Schleife` am Welttag der seelischen Gesundheit (10. 10.) in Hessen ein klares Zeichen gegen Diskriminierung und Ausgrenzung“, erklärt Dr. Heike Winter, Präsidentin der Psychotherapeutenkammer Hessen in Wiesbaden. Ziel der gemeinsamen Online-Aktivitäten (Social-Media via Twitter etc.) – auch in Kooperation mit der LandesPsychotherapeutenkammer Rheinland-Pfalz ist, Menschen aufzufordern, offener mit psychischen Problemen umzugehen. Zugleich sollen Verwandte, Freunde und Kollegen ermutigt werden, andere anzusprechen: „Reden wir darüber“.

Mehr Akzeptanz für psychische Erkrankungen: Der Vorstand der Psychotherapeutenkammer Hessen engagiert sich auch für den “Welttag der seelischen Gesundheit” (10.10.) – mit grünen Schleifen als Symbol.

„Seelische Krisen dürfen kein Tabuthema sein“

„Für unsere seelische Gesundheit brauchen wir gelingende Beziehungen, ermutigende Kontakte, sinnvoll erlebte Tätigkeiten und Projekte. Es ist gut, wenn immer mehr Menschen nicht nur auf ihre körperliche Gesundheit achten, sondern auch das psychische Wohlbefinden ihrer Angehörigen und Nachbarn im Blick haben.“ Die „Grüne Schleife“ hat sich als Zeichen für Akzeptanz psychischer Erkrankungen bereits in zahlreichen Ländern etabliert – in Deutschland organisiert vom „Aktionsbündnis für seelische Gesundheit“. Hauptthema des Welttages der seelischen Gesundheit ist 2019 Jahr die Suizid-Prävention, für die sich die Psychotherapeutenkammer Hessen in Zusammenarbeit mit den anderen Heilberufekammern des Bundeslandes sowie der Kassenzahnärztlichen Vereinigung Hessen ebenfalls engagiert. Damit unterstützt das Heilberufebündnis in Hessen das Ziel der Weltgesundheitsorganisation (WHO), die Suizidzahlen bis 2030 um 30 Prozent zu senken.

Ziel: Suizidzahlen bis 2030 um 30 Prozent senken

Rund 10.000 Menschen pro Jahr setzen in Deutschland ihrem Leben selbst ein Ende. Damit sterben hierzulande genauso viele Menschen durch Suizid wie durch Verkehrsunfälle, AIDS, illegale Drogen und Gewalttaten zusammen. Die Zahl der Selbsttötungsversuche ist laut der Deutschen Gesellschaft für Suizidprävention (DGS) zehnmal höher: Sie wird auf mindestens 100.000 im Jahr geschätzt. Mit der Broschüre „Minus 30 Prozent – Heilen & Helfen – Suizide verhindern“ möchte das Bündnis der Heilberufe in Hessen dazu beitragen, dass die Gefahr einer Selbsttötung schneller erkannt und verhindert werden kann. Betroffenen Menschen fällt es oft schwer, über ihre Gedanken an Selbsttötung zu sprechen. Suizidgefährdungen können sich sehr unterschiedlich äußern, was die Einschätzung der Situation durch Angehörige, Freunde und Bekannte oft erheblich erschwert. Als Berufsgruppe mit vielen Menschenkontakten können die Mitglieder der Heilberufe eine vermittelnde Rolle einnehmen.

Else Döring: Seelische Gesundheit von Kindern im Blick

Else Döring, Vizepräsidentin der Psychotherapeutenkammer Hessen, weist zum “Welttag der seelischen Gesundheit” auf aktuelle Gesundheitsmonitoring-Ergebnisse des Robert-Koch-Instituts zu Essstörungssymptomen bei Kindern und Jugendlichen mit den damit verbundenen Risikofaktoren hin: Etwa ein Fünftel der aller Kinder und Jugendlichen ist von psychischen oder Verhaltens-Problemen betroffen – etwa sechs Prozent gelten als therapiebedürftig: “Diese Kinder und Jugendlichen brauchen eine schnelle und gute Behandlung. In Hessen stehen dafür rund 600 spezialisierte Kinder- und Jugendlichen-Psychotherapeuten zur Verfügung, die hier eine unverzichtbare Arbeit leisten – auch bei Essstörung mit ihren individuellen und sozialen Langzeitfolgen und erhöhten Risiken” (z. B. Angst- und Substanzstörungen, verringerte Lebensqualität und Leistungsfähigkeit, körperliche Komorbidität, Mortalität, Suizid). 

Dem Bündnis „heilen & helfen“ gehören die Heilberufekammern der Ärzte, Zahnärzte, Tierärzte, Apotheker und Psychotherapeuten in Hessen sowie die Kassenzahnärztliche Vereinigung Hessen an. Das gemeinsam herausgegebene Faltblatt zeigt Betroffenen professionelle Hilfsangebote auf. Es soll zudem Freunde und Angehörige bei der rechtzeitigen Einschätzung von Suizidgefährdung unterstützen. Die Broschüre bündelt hilfreiche Adressen und Rufnummern von Netzwerken zur Suizidprävention.

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